Zum Hauptinhalt springen

Case Study: Notfall-Tarifumstellungstool mit Terminal-Integration (Versicherungsbranche)

Diese Case Study beschreibt die Integration einer über 30 Jahre alten Terminal-Anwendung in ein pragmatisches Windows-Tool, um eine kritische Tarifumstellung unter hohem Zeitdruck sicher umzusetzen.

Ausgangssituation

Ein Versicherungskonzern stand vor einer umfangreichen Tarifumstellung zum Jahresende.
Die bestehende Fachlogik verteilte sich auf:

  • eine Oracle-Datenbank
  • eine über 30 Jahre alte Terminal-Anwendung (Mainframe-basiert)
  • manuelle Sachbearbeitung

Die Terminal-Anwendung enthielt geschäftskritische Funktionen und Validierungslogik, war jedoch nicht API-fähig und nur über eine klassische Bildschirmoberfläche bedienbar.

Eine vollständige Neuentwicklung oder Ablösung des Terminals war aus Zeit- und Risikogründen nicht realistisch.

Ohne technische Unterstützung hätte eine notfallmäßige Aufstockung hochqualifizierter Sachbearbeiter erfolgen müssen.


Ziel

  • Automatisierung der Tarifumstellung
  • Reduktion manueller Prozesse
  • Weiterverwendung der bestehenden Terminal-Logik
  • Minimierung des Projektrisikos
  • Umsetzung innerhalb eines engen Zeitfensters

Technische Lösung

Ich entwickelte ein Windows-basiertes Tarifumstellungstool, das mehrere Datenquellen orchestrierte:

  • Oracle-Datenbank (strukturierte Vertragsdaten)
  • Terminal-Anwendung via EHLLAPI (Screen-Scraping)
  • Moderne Desktop-Oberfläche für Sachbearbeiter

Das Tool kombinierte strukturierte Daten aus Oracle mit Informationen, die dynamisch aus dem Terminal ausgelesen wurden.

Die Terminal-Integration erfolgte über EHLLAPI (Emulator High-Level Language API), wodurch:

  • Screens automatisiert navigiert
  • Maskeninhalte ausgelesen
  • Eingaben simuliert
  • Validierungslogiken des Bestandssystems wiederverwendet

werden konnten.


Entwicklung eines Terminal-Navigations-Frameworks

Statt einzelne Screens hart zu automatisieren, entwickelte ich ein wiederverwendbares Navigations-Framework auf Basis eines Fluent-Flow-Ansatzes und DDD Patterns.

Beispiel:

var app = CreateEhllApiApp();
var user = app
.GoToUserScreen()
.GetUsers()
.Single(u => u.Id == "12345");

var address = // CreateUserAddress(...);
user.UpdateAddress(address);
user.Commit();

Eigenschaften des Frameworks:

  • Typsichere Navigation durch Terminal-Masken
  • Kapselung von Screen-Koordinaten
  • Wiederverwendbare Screen-Objekte
  • Fehlertolerante Navigation mit Validierung
  • Erweiterbarkeit für weitere Geschäftsprozesse
info

Das Framework wurde später auch in anderen internen Anwendungen des Unternehmens eingesetzt.

Systemarchitektur


Mehrwert & Ergebnis

  • Keine Änderung am bestehenden Terminal erforderlich
  • Wiederverwendung der etablierten Geschäftslogik
  • Vermeidung erheblicher Entwicklungs- und Testkosten für ein Nachfolgesystem
  • Reduktion manueller Bearbeitungsschritte
  • Verzicht auf notfallmäßige Neueinstellungen zum Jahresende
  • Kontrollierte, nachvollziehbare Prozessautomatisierung

Das Projekt zeigte, dass gezielte Integration bestehender Systeme oft wirtschaftlich sinnvoller ist als eine vollständige Ablösung – insbesondere unter Zeitdruck.


Technologischer Schwerpunkt

  • .NET / C# (WinForms)
  • Oracle-Datenbank
  • EHLLAPI / Screen-Scraping
  • Terminal-Automatisierung
  • Prozessautomatisierung
  • Domain Driven Design (DDD)